Zum Ende des 2. Weltkrieges vor 75 Jahren am 8. Mai 1945 sagte die Vorsitzende der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Ines Claus:

Am 75. Jahrestag seines Endes gedenken wir der Opfer des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Deutschland. Der von deutschem Boden aus begonnene Krieg hat unermessliches Leid über die Völker Europas und der Welt gebracht. Mehr als 65 Millionen Menschen wurden getötet, unzählige dauerhaft psychisch und physisch verletzt. Die nationalsozialistische Barbarei führte zu Verfolgungen politisch und religiös Andersdenkender und ließ unzählige Frauen und Kinder als Witwen und Waisen zurück. Der Zweite Weltkrieg führte millionenfach zu Flucht, Vertreibung und bitterem Elend. Die Schrecken gipfelten in den beispiellosen Verbrechen des Holocaust und der grausamen Ermordung von sechs Millionen Juden in den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Am Ende schlug der Krieg mit Standgerichten und Vernichtungsbefehlen auch gegen das eigene Volk zurück – oder wie Bundespräsident Richard von Weizsäcker es in seiner berühmten Rede zum 8. Mai 1985 formulierte: ‚Die anderen Völker wurden zunächst Opfer eines von Deutschland ausgehenden Krieges, bevor wir selbst zu Opfern unseres eigenen Krieges wurden.

Die Toten des Zweiten Weltkrieges und der Zivilisationsbruch des Genozids sind uns daher nicht nur an dem heutigen Gedenktag, sondern dauerhaft Verpflichtung für die entschlossene Verteidigung der europäischen Friedensordnung und der zivilisatorischen Werte der Demokratie und der Freiheit. Auch nach 75 Jahren darf die Erinnerung an die Opfer des Krieges und des Holocausts nicht enden. Gleichsam gilt es, stets auch an die Menschen und Volksgruppen zu denken, die im Zuge des Krieges flüchten mussten, vertrieben oder sogar deportiert wurden. Wir wollen erinnern, wir wollen trauern, und wir wollen mahnen. Das gebietet der Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen. Der Tag rückt näher, an dem es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Erlebte authentisch und berührend näherbringen können. Aber auch ohne sie braucht es ein Erinnern an all diese nicht fassbaren Grausamkeiten. Ein Erinnern, das wachrüttelt, berührt und auch schmerzt. Die Botschaft bleibt auch nach 75 Jahren weiter fest bestehen: Nie wieder!

Aus eigener Kraft konnte sich Deutschland 1945 – trotz der ehrenhaften und tapferen Mühen der unvergessenen Widerstandskämpfer – gleichwohl nicht von der Diktatur befreien. Es gilt daher an einem solchen Gedenktag auch die Rolle der Alliierten bei der Überwindung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Wiederherstellung von Frieden, Demokratie und Freiheit in Deutschland zu würdigen. Durch die europäische und transatlantische Einbindung nach 1945 wurde der Bundesrepublik Deutschland die Chance zum Neubeginn und zur Rückkehr in den Kreis der freiheitlich und demokratisch konstituierten Staaten eröffnet. Während im Ostteil unseres Landes der Eiserne Vorhang und die kommunistische Diktatur an die Stelle der besiegten Diktatur des Nationalsozialismus trat, verhalfen die westlichen Partner im freien Teil Deutschlands der Bundesrepublik zurück in die Staatengemeinschaft. Deutschland ist seither ein verlässlicher Partner an der Behauptung von Frieden und Demokratie in Europa und der Welt.

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